Sollen mit Tricks die Menschen gebrochen werden?


Sozialpsychologin Katy Pracher-Hilander: die sich auf die Psychologie der Urteils- und Entscheidungsfindung spezialisiert hat, die Mechanismen, wie die Politik die Menschen in der Pandemie gefügig macht – und wie man aus diesem Strudel ausbrechen kann.

Ist die Welt jetzt ganz verrückt geworden?

Das kann man so sagen. Die Menschen laufen herum wie kopflose Hühner.

Sie hören nicht mehr auf Instinkte und schauen, was richtig und falsch ist, greifen nicht auf Erfahrungswerte zurück.

Weil niemand eine Erfahrung mit so einer Situation hat, sind sie darauf fokussiert, auf Menschen zu hören, die ihnen eine Anleitung geben – und das sind nun einmal Politiker. Das macht es umso leichter, die Menschen dorthin zu treiben, wo hin man sie haben möchte.

In welche Richtung will die Politik die Menschen denn treiben?

Anstatt das Volk vorzubereiten, wurde viel in Richtung Panikmache kommuniziert.

Früh kamen auch einseitige Worte wie „Wir brauchen Helden, wir sind im Krieg“.

Auffällig war, dass Politiker weltweit ähnliches Vokabular einsetzten. Das ist ein Signal, dass manipuliert wird. Man bringt sie in so eine Art „Soldatenposition“. Seit der Maskenpflicht wurde die Maske zu einer Art Uniform. Dabei ist so etwas nur bedingt und nur in bestimmten Situationen hilfreich, richtet aber viel Schaden an – ist jedoch ein wichtiges Instrumentarium. Aus psychologischer Sicht ist sie ein Schutzschild, hinter dem man sich – unbewusst – verstecken kann. Der Auftrag heißt Denunziation: Es ist salonfähig gemacht worden, jemanden zu verpetzen – und die Politik hat signalisiert, dass das erwünscht ist.

Warum machen wir da alle mit, was passiert da mit uns?

Zuerst will die Masse nicht wahrhaben, dass sie geleitet wird, wir sprechen von psychologischer Kriegsführung. Menschen sind darauf gepolt, der Gruppe anzugehören und nicht aus dem Rahmen zu fallen.

Nur wenige, die damit klarkommen, beziehen Position.

Wer es aber überhaupt ausblendet, fragt gar nicht erst nach, weil er nicht skeptisch wird. Zudem ist es anstrengend, sich, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Menschen sind „kognitive Geizhälse“: Wir sind denkfaul, indem wir auf unser Gehirn hereinfallen.

Wir lassen es gut sein, weil es ein gutes Gefühl ist, den „Job“ erledigt zu haben. Die Masse jener, die bereit sind, viel Energie und Motivation aufzubringen, um hinter die Kulissen zu schauen, ist dünn. Weil viele nur normale Medienkanäle konsumieren, kann man so die Masse steuern.

Alle anderen sind dann „Verschwörungstheoretiker“ und durch diesen Stempel nicht mehr „Teil des Gesprächs“.

Kann man sagen, dass der Leidensdruck vielleicht noch nicht groß genug ist bei der Masse?

Irgendwo muss doch der Punkt bei jedem erreicht sein, wo er sagt, das hinterfrage ich, weil so kann es nicht mehr weitergehen?

Der Leidensdruck ist bei den meisten ausgereizt. Aber das Hirn ist gefinkelt, wenn es darum geht, eine Sache schönzureden, aus einer Situation rauszureden. Auch wenn man einer Sache nichts positives abgewinnen kann, will man bei seiner Entscheidung bleiben.

Also bringt das Gehirn andere Gedanken mit, die helfen, auf Linie zu bleiben.

Man versteckt sich auch hinter der Verantwortung: Ein anderer soll den ersten Schritt machen. Man dachte, so etwas passiert bei uns im Westen nie. Aber die Grundmechanismen der Psychologie greifen überall, zu jedem Zeitpunkt und bei allen Menschen. Da ist keine Bildungs- oder Altersschicht ausgenommen.

Sie sagen, sie verstecken sich hinter anderen. Was, wenn der Kollege sagt, ich mache da nicht mehr mit: Wie viele Leuten braucht es denn, damit sich alle hinter DEM verstecken?

Man braucht nicht viele, um einen Gegenpol zu bilden.

Ein Querdenker reicht aus, das Ruder komplett herumzureißen.

Er braucht nur einen Zweiten an Bord, um die Anderen ins Wanken zu bringen. So hat jeder die Möglichkeit in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos etwas zu bewirken.

Fatal ist, dass die Menschen müde sind, sodass wir über Aufklärung schlecht an sie herankommen. Sobald die Wahrheit kommt, wird es unangenehm. Da ist es leichter, den Kopf in den Sand zu stecken.

Zudem empfinden wir einen Gewinn in der Zukunft als Verlust in der Gegenwart. Die meisten sind damit gefangen, kurzfristige Gewinne zu erhaschen.

Könnte es vielleicht auch sein, das sie gar nicht damit rechnen, dass es in Zukunft schlimmer wird?

Viele wissen, dass sie in einer Sackgasse unterwegs sind. Todesangst ist nicht mehr ursächlich dafür, dass sie im Strom mitschwimmen, sondern Bequemlichkeit. Sie wissen, dass sie den eigenen Ast absägen, wenn sie das System mittragen, aber es ist einfach der eigene Schweinehund, den sie überwinden müssten.

Das ist der Knackpunkt: Wie kriege ich Menschen dazu, sich über diese Hürde zu motivieren, etwas mehr Rückgrat zu zeigen.

Sie sprechen auch davon, dass uns die Maßnahmen klein machen.

Wir sind ja nicht nur träge, sondern auch vom Selbstbewusstsein und der Selbstwirksamkeit relativ weit unten.

Der Kontrollverlust wurde relativ brachial herbeigeführt:

Solange Sie die Möglichkeit haben, über Ihr Leben zu bestimmen, sind Sie kein Wesen, das man leiten kann. Sie haben einen eigenen Kopf, einen eigenen Willen, schauen hinter die Kulissen.

Mit der Angst brachte man Menschen dazu, sukzessive ihre Kontrolle abzugeben – in den Schoß jener zu legen, denen man vertraut, in dem Fall der politischen Obrigkeit, die uns dann hoffentlich wohlgesonnen ist und richtig leiten wird.

Nachdem sie jedes Stückchen Kontrolle über ihr Leben relativ freiwillig aus den Händen gegeben haben, stehen sie ohne Selbstkontrolle da. Sie zerbrechen, weil sie nicht wissen, wie sie aus dieser Ohnmacht herauskommen. Dass viele Menschen Suizidgedanken haben und Jugendliche verzweifelt sind, ist alles andere als überraschend.

Das hört ja jetzt sehr negativ an. Wie kommen wir aus diesem Strudel wieder rauf?

Man müsste sich einen Tritt in den Hintern verpassen, hinter die Kulissen schauen. Wenn man das nicht schafft, muss man im Mikrokosmos die Kontrolle zurückgewinnen. Es ist wichtig, dass man sich heraus nimmt, sich eine Auszeit aus der Pandemie nimmt.

Beim Versuch, andere zu überreden, haben sich viele schnell verausgabt.

Es ist eine ganze Batterie an Mechanismen, die im Kopf gegensteuern, die wie ein Zahnradsystem ineinander greifen.

Wenn man Widerstand leisten möchte, tut man das am Besten im kleinen Rahmen: Die Zeit umpolen, das Nest ausbauen.

Anstatt mir die Horrorszenarien in den Nachrichten reinzuziehen, lese ich etwa ein Kinderbuch. Es ist entspannend, man kommt in eine Fantasiewelt, die noch in Ordnung ist.

Mit solchen positivem Gedankengut kann man unbesorgt einschlafen.

Wo soll man dann diskutieren oder überzeugen?

Im Büro kann man Kollegen ansprechen, aber man muss nicht überzeugen:

Man weiß im Gespräch, wie jemand tickt.

Es ist zwar traurig, dass man schauen muss, wer Freund oder Feind ist. Aber ich halte es für das größte sozialpsychologische Experiment der Menschheitsgeschichte.

Die Maßnahmen bauen auf der psychologischen Bereitschaft der Gesellschaft auf. Die ist die Basis allen Handelns. Solange ich hier nicht ansetze, wird der Rest schwierig zu korrigieren sein.

Haben Sie für Ihren Fachbereich etwas vor, um gegen Missstände aufzustehen?

Man braucht rechtlichen, medizinischen und psychologischen Input, um Argumentationsketten als roten Faden abzuschließen. Deshalb suchen viele Juristen meine Unterstützung. Dafür gründe ich gerade einen Verein und bilde ein Team.

Es liegt viel Arbeit auf dem Tisch – mit Basiswissen – das ich in alle Weltsprachen übersetzen lasse. Danke vielmals für das spannende Gespräch!