Gefährdet eine falsche Regierungsprognose die Stromversorgung?


Die Regierung rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem jährlichen Stromverbrauch von 580 TWh. Damit liegt die Prognose des Wirtschaftsministeriums 4% unter dem Stromverbrauch im Jahr 2019. Im Jahr 2020 betrug der Verbrauch zwar nur 567 TWh, der etwas geringere Verbrauch ist jedoch auf den Corona-Lockdown zurückzuführen. Obwohl die Regierung weiterhin Elektroautos, Wärmepumpen und die stromintensive Wasserstofferzeugung mit Subventionen fördert, geht sie praktisch nicht von einem höheren Strombedarf aus.

Elektroindustrie und Rechnungshof zweifeln Annahme der Regierung an

Mittlerweile fordert die Elektroindustrie einen Ausbau der erneuerbaren Energien um 300 bis 400 Prozent um mit der zunehmenden Elektrifizierung den zu erwartenden Mehrverbrauch ausgleichen zu können. Sogar der Rechnungshof hat die Prognose der Regierung in Frage gestellt und weist in seinem Bericht auf entsprechend falschen Annahmen hin. Aufgrund des Klimaurteils des Verfassungsgerichts sollen jetzt sogar die letzten Kohlekraftwerke noch früher vom Netz als ursprünglich geplant. Dadurch klafft eine riesige Versorgungslücke die man eigentlich schnell durch zusätzliche Ökostromanlagen schließen muss. Aber die Regierung hält unbeirrt an ihrer Prognose fest.

Ökostromausbau stagniert

Der Ausbau von Ökostromanlagen stagniert aber. Es wird in Deutschland immer schwieriger neue Windkraftanlagen zu bauen. Durch verschärfte Vorschriften beim Abstand zu Wohngebieten stehen immer weniger geeignete Flächen zur Verfügung.

Dazu kommen Klagen von Naturschützer und Bürgerinitiativen. die den Bau neuer Anlagen entweder um Jahre verzögern oder sogar ganz verhindern, sowie langwierige Genehmigungsverfahren.

Rückbau alter Windkraftanlagen

Seit 2020 laufen für 6000 Windräder die Subventionen über die EEG-Umlage aus. Ein wirtschaftlicher Betrieb dieser Windräder ist aber ohne Subventionen nicht möglich. Wartungs- und Reparaturkosten sind höher als die Einnahmen wenn der Strom nur noch zu Marktpreisen an der Strombörsen eingespeist wird. Die jetzt in der EEG-Novelle angedachte Subvention von einem Cent über dem Marktpreis reicht zum Betrieb der meisten Anlagen nicht aus.

Vollständig Klimaneutralität um 5 Jahre vorgezogen

Ursprünglich wollte Deutschland bis zum Jahr 2050 vollständig CO² frei sein. Durch das Urteil des Verfassungsgerichte soll die Klimaneutralität jetzt schon 2045 erreicht sein, die Grünen wolle sogar das sogar noch früher erreichen. Dies erfordert die Umstellung aller Kraftfahrzeuge auf strombasierte Antriebe, oder synthetische Kraftstoffe. Aber auch Kohle für Hochöfen zur Stahlerzeugung, sowie die Antriebe für Schiffe und Flugzeuge muss man entsprechend umrüsten. Dazu kommt ein gigantischer Energiebedarf für den Heizungssektor, wenn auch Heizöl und Erdgas nicht mehr zur Verfügung steht. Die Parteien überbieten sich, vor der Wahl im September, bei der Klimaneutralität gegenseitig. Einen Plan zu einer realistischen technischen Umsetzung sucht man aber bei allen Parteien genau so vergebens, wie eine Information darüber mit welchen Kosten dies für die Bürger verbunden ist. Dabei hat Deutschland bereits heute den teuersten Strom der Welt.

Atomkraft als Alternative

Alternativ steht dann nur noch Wasserstoff zur Verfügung. Die Herstellung ist allerdings sehr energieintensiv. Wie wir bereits in unserem Artikel „Sektorkopplung – 140 Atomkraftwerke würden nicht reichen“ geschrieben haben, kann man diese Energie eigentlich nur mit Atomkraft zur Verfügung stellen. In diesem Artikel haben wir aber weder Kohle, noch Schweröl und Kerosin mit berücksichtigt. Außerdem auch nicht den schlechten Wirkungsgrad bei der Wasserstofferzeugung. Nur mit wetterabhängigen Ökostromanlagen ist das technisch im gesetzte Zeitrahmen einfach nicht möglich.

Sollte die Regierung weiterhin am Atomausstieg festhalten bleibt als einzige Alternative nur unseren Wohlstand massiv einzuschränken.