Deutsche Impfkommission gegen generelle Kinderimpfung


Der Virologe und Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland, Dr. Thomas Mertens, spricht sich derzeit nicht für eine flächendeckende Impfung von Kindern ab zwölf Jahren aus. Es lägen noch zu wenige Daten vor.

Impfempfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen ist wahrscheinlich

Eine Impfempfehlung der Stiko für vorerkrankte Kinder kommt wahrscheinlich diese Woche. In Baden-Württemberg werden vorerkrankte Kinder trotzdem bereits ab heute Montag geimpft.

  • Bei der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer mit 2000 Jugendlichen wurden diese nicht lange genug nachbeobachtet. Daher keine Aussagen über seltene Nebenwirkungen oder Spätfolgen möglich.
  • Eine Impfempfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen ist wahrscheinlich.
  • Die Kinderimpfung solle nicht mit den Schulöffnungen verknüpft werden.

Noch keine belastbaren Aussagen möglich

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat das Impf-Serum von BioNTech/Pfizer am 28. Mai für die Impfung von Kindern ab 12 freigegeben. Ab heute Montag können Kinder ab 12 in Deutschland geimpft werden. Mertens betont allerdings, dass derzeit noch keine belastbaren Aussagen darüber gemacht werden können, ob der Nutzen einer Impfung das Risiko schwer an Covid-19 zu erkranken übersteigt. Obwohl in den USA und in Kanada bereits rund 2 Millionen Kinder über 12 geimpft wurden, würden noch nicht genug ausgewertete Daten vorliegen. „Was haben die Kinder für einen Vorteil von einer Impfung“, wird Mertens auf NDR zitiert. „Den Kindern bietet man ja kein Lakritzbonbon an, sondern es ist ein medizinischer Eingriff und der muss entsprechend indiziert sein.“

Risiko für Entzündungssyndrom PIMS gering

Es gäbe derzeit keine Hinweise darauf, dass das Risiko dieser Altersgruppe schwer an Covid-19 zu erkranken höher sei als das einer Influenza-Infektion. Der Virologe beschwichtigt auch in Bezug auf das multisystemische Entzündungssyndrom (PIMS oder MIS-C) bei Kindern, das nach einer Corona-Infektion in seltenen Fällen auftreten kann. „Das Risiko für PIMS ist gering, die Prognose gut“, führt er mit dem Verweis auf die Meldestatistik der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) aus. Diese streicht hervor, dass insbesondere Kinder mit Vorerkrankungen von PIMS betroffen sind und, dass die Fallzahlen sehr niedrig seien.

Keine Impfung als Voraussetzung für ein normales Leben

Die Impfung von Kindern mit den Schulöffnungen zu verknüpfen, lehnt der Virologe ab. Alleine der Umstand, dass Kinder unter 12 derzeit noch nicht geimpft werden dürfen, würde gegen eine solche Verknüpfung sprechen. „Eine Impfung als Voraussetzung für ein normales Leben der Kinder halten wir für einen Irrweg“, meinte er. Der Amtschef des Gesundheitsministeriums, Uwe Lahl, teilte indes mit, dass man nicht auf eine Empfehlung der Stiko warten wird. Ab heute Montag werden laut Medienbericht daher in Baden-Württemberg Kinder mit Vorerkrankungen oder einem „anzunehmenden erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf“, geimpft. Die Stiko-Empfehlung dazu soll im Laufe dieser Woche kommen.